, Müller-Beyeler Rudolf Alexander

1975 – 2025: 50 Jahre Kran und Sliprampe

Ein Gastbeitrag von Kurt Bay

Es war eine andere Zeit, damals Ende der 50er Jahre: Es gab keinen Segelclub, kein Schifffahrtsamt, weder Grössen- oder Geschwindigkeitsvorschriften, noch Nummern für die Schiffe; die Standplätze oder Bojenfelder waren meist privat und Wasserungsanlagen waren improvisiert. Ich war privilegiert, dass ich mit meinem Lightning meine ersten Segelrunden noch in dieser Freiheit erleben durfte!

Das war das Umfeld, als 1961 mit Seglern aus Beinwil und Birrwil der Segelclub Hallwil gegründet wurde, um Segelbegeisterten eine Plattform zu bieten, ihre Leidenschaft für das Segeln zu teilen und gemeinsam aktiv zu sein.

Am Anfang war wohl ein Club – aber ohne jegliche Infrastruktur, keine Standplätze, kein Clubhaus, keine Wasserungsanlage – einfach nichts, nicht mal Geld. Es ist den damaligen Clubmitgliedern hoher Respekt zu zollen, wie sie Schritt um Schritt und gegen viele Widerstände die notwendigen Voraussetzungen geschaffen haben, um die Entwicklung des Clubs und damit des Segelsports nachhaltig zu fördern.

Ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte des Clubs war die Erstellung der Wasserungsanlage im Jahr 1975. Bis anhin mussten die Kielboote mit mobilen Kranwagen oder Hebetraktoren mühsam und oft gefährlich ein- und ausgewassert werden, die Jollen über wurden über mehr oder weniger improvisierte Rampen gezogen. Der Club hatte keinen eigenen Zugang zum Wasser; die Verhandlungen mit den lokalen Grundeigentümern waren schwierig. Oft stand man davor, die Hoffnung aufzugeben, in Beinwil je einmal zu einer Wasserungsanlage zu kommen. Da kam unerwartet der Durchbruch und man wurde über den Landkauf einig.

Aufgrund unserer Anforderungen habe ich ein Projekt für eine Kran- und Slipanlage erstellt. Dieses musste nicht nur äusserst kostengünstig sein, sondern auch so gestaltet, dass es mit Nicht-Fachleuten erstellt werden konnte – denn die meisten Arbeiten sollen im Frondienst geleistet werden! Es kam hinzu, dass auf die besondere Ausrüstung der Sappeurkompanie Rücksicht genommen werden musste. Diese Armeeunterstützung habe ich (aus Kostengründen) für die Rammarbeiten «organisiert». Mit unseren Projektplänen sorgte der damalige Präsident Ruedi Herzog für die Baubewilligung, welche damals noch relativ einfach zu erhalten war. Nach nur 1 Einsprache, welche gütlich erledigt werden konnte, hatten wir grünes Licht für die Ausführung.

Die grosse Unbekannte war der Baugrund. Auf Grund von Erfahrungen bei anderen Rammarbeiten im Uferbereich mussten wir annehmen, dass der tragfähige Baugrund etwa bei 16 m Tiefe liegt. Mit der beschränkten Rammtiefe der militärischen Ausrüstung mussten wir die Zahl der Pfähle erhöhen, da deren Tragfähigkeit nun nur mit der Mantelreibung gewährleistet war.

Nun ging es buchstäblich Schlag auf Schlag: Im Wald von Sarmenstorf schlug das Militär die Bäume für unsere Pfähle. In nur 3 Tagen wurden mit 2 Rammausrüstungen die 32 12-Meter-Pfähle rund 8 Meter in den Seegrund gerammt. Das kostete den Club grad mal einen Kompanieabend, ein paar Bier und die Entschädigung für das Holz und den Brennstoff – günstiger geht’s nicht!

Nachdem der Tauchclub Hallwil die Pfähle unter Wasser gleichmässig abgeschnitten hatte, wurden über die Pfähle Stahlrohre gestülpt und die vorgefertigten Armierungskörbe eingesetzt. Dieses filigrane System wurde nun mit einer massiven Gerüstung fixiert. Dies war eine höchst anspruchsvolle Aufgabe, denn die kleinsten Verschiebungen hätten das Abbindeverhalten des Betons verhindert. Die Starflotte hat diese Aufgabe bravourös gelöst. Beim anschliessenden Betoniervorgang wurden wir von einem sintflutartigen Regen überrascht, welcher den Dorfbach gefährlich anschwellen liess. Es hätte nicht viel gefehlt, dass unsere Abstützungen im Uferbereich nachgegeben hätten!

Mit dem nun fertigen Pfahlrost konnte die Schalung für die Betonplatte versetzt werden. Unser Clubmitglied Kurt Schilling hat «seine» Luftschutzkompanie für die anschliessende Montage aufgeboten. Dies war schwierig, denn die Schalung konnte nicht auf den Seegrund abgestellt werden – die Tragkraft wäre zu gering. Wir haben ein kompliziertes System zur Aufhängung an den Pfahlstümpfen entwickelt und erst nach Laborversuchen konnten wir die richtige Stahlqualität finden. Es brauchte aufwändige Verstärkungsmassnahmen und Verstrebungen – immerhin mussten rund 60 Tonnen fixiert und präzise gehalten werden!

Wir haben die Armierung einfach ausgelegt, dass sie auch von Nicht-Fachleuten ausgeführt werden konnte. So haben die Clubmitglieder im Frondienst diesen schweisstreibenden Job toll erledigt. Ruedi Herzog, ein Mitarbeiter und ich haben dann an einem Abend den Beton eingebracht, welcher mit einer Fahrmischer-Betonpumpe geliefert wurde. Auch wir wurden nicht von strömendem Regen verschont. Und trotzdem war es ein unvergesslicher Tag, als wir die fertige Konstruktion vor uns sahen!

Die Sliprampe nebenan war dann relativ eine einfache Übung. Diese war so konzipiert, dass bei Normalpegel der tiefste Punkt rund 1.5 Meter unter Wasser lag und das Gefälle bei 15% lag. Damit ist problemloses Wassern mit dem Trailer möglich. Die Konstruktion ist einfach: Es wurde ein Stahlrahmen auf 9 Pfähle abgestützt und anschliessend wurden vorgefertigte Betonelemente eingelegt. Das Kernstück der Anlage, der 3-to-Kran, wurde durch das Team um Vizepräsident Robert Bangerter montiert und umgehend mit der Wasserung seines Ynglin in Betrieb genommen.

Zum Schluss folgten nun die technisch einfachen, aber arbeitsintensiven Arbeiten «an Land»: Bacheindeckung mit Betonelementen und Zufahrtstrasse. All dies wurde mehrheitlich im Frondienst durch die Clubmitglieder erstellt. Für Spezialarbeiten und Maschinen sorgte dann Ruedi Herzog mit seinem Bauunternehmen.

So ist es dem Club mit grossem Eigeneinsatz gelungen, eine zweckmässige Wasserungsanlage zu extrem tiefen Kosten zu erstellen. Diese Leistung war nur möglich, durch den Weitblick und die starke Führung durch unseren damaligen Präsidenten Ruedi Herzog und durch die enge und kameradschaftliche Zusammenarbeit aller Beteiligter. Der Club darf heute stolz darauf sein, was seine Mitglieder vor bald 50 Jahren geleistet haben.

Kurt Bay, Mitglied SCH bis 1997