Ansegeln 2025
Gegen 11:30 Uhr waren alle Boote auf dem Wasser und die 14 Boote schossen kurze Zeit später zügig hinter der sich in Konstruktion befindlichen Startlinie hin und her. Mit den verschiedenen Bootstypen «Surprise», «Tempest», einer «J70» und drei Jollen war das Regattafeld allerdings ziemlich «star-boot-lastig». Das mit der Startlinie und der Bahnlegung erwies sich als «tricky», drehte doch der Wind mit schätzungsweise 12 – 15 kn immer stärker in Richtung Osten.
Irgendwann kam dann ein Signal. 5 min oder 6 min? Der Autor dieses Textes hatte die Segelanweisungen natürlich nicht gelesen und musste beim Startboot danach fragen. Trotz der langen Winterpause klappte der erste Start anscheinend fehlerfrei, jedenfalls war keine Intervention der Jury notwendig. Auch die kleine Sperrholzkiste mit dem komischen «Wurm» auf dem Segel schaffte es, sich zügig von den Segel-Wänden und den damit einhergehenden Turbulenzen der grossen Kolleginnen zu befreien. Auf der ersten Kreuz bildete sich dann schnell die zu erwartende Einreihung: Vorne die Star- und Kielboote, hinten die Jollen.
Weil der Wind anfangs kräftig aus NNO blies und dann eher aus NOO zu drücken begann, ging der Holekurs – oder sagt man hier Streckbug – senkrecht in eine kurze, spitze oder einfach gesagt, blöde Welle. So etwas hat der «Wurm» mit seinem «Knickspannt» überhaupt nicht gern. Besonders wenn ein winterverschlafener Steuermann seine taktischen Sinne noch nicht ganz beisammen hat, d.h. versucht unter den beschriebenen Bedingungen mit der Sperrholzkiste Höhe zu quetschen. Der voraus liegende «Finn» schien die Sache mit mehr Feingefühl und Effizienz anzugehen. Tiefer fahren mit mehr Speed und folglich einem Tick längerem Wellenintervall, d.h. noch mehr Speed. Kurz: Am VMG zur Luv-Tonne wird noch gearbeitet. Auch die Stilstudien bei den Star-Booten zeigten ganz klar: Wer nicht nur rackert sondern auch segelt, ist eindeutig schneller. Eine Besonderheit: Die Crew mit dem «420er» schien sich weniger um die VMG zu kümmern, sondern mit viel Speed und Spass den Regatta Streckenrekord anzustreben.
Mit dem gleichmässig steifen Wind erreichte das gesamte Regattafeld in einem übersichtlichen Zeitrahmen die Ziellinie. Und weil es so viel Spass gemacht hat, folgte gleich noch einmal ein zweiter Lauf. Angesagt war ja noch mehr Wind. Aber schon auf der ersten Kreuz wurde diese Hoffnung arg zerlöchert. Für elend lange Momente und an Stellen ohne erkennbare Systematik fiel der Wind zusammen und drehte mit noch weniger Systematik. Die Einreihung war handicap-mässig (Yardsick) wieder die Übliche. Auf den Downwind-Kursen war jetzt beim Halsen in den drehenden Böen eine nicht nachlassende Aufmerksamkeit gefragt. Der (wieder) vor mir liegende «Finn» übte dabei etwas Akrobatik, konnte aber mit unerschütterlichem Einsatz auf den «Schwertsonnenschutz» verzichten.
Alles in allem: Schön war esund der entwickelte Hunger machte die anschliessende Suppe mit Wienerli im Clubhaus köstlich. Ach ja, am Tisch wurde nach der Zoologie des Klassenzeichens von der Sperrholzkiste gefragt. Ein Wurm, ein kleiner Drache? Selbst in der Sperrholzkisten-Klassen-Vereinigung sind wir uns uneinig. Es muss irgendein Fabelwesen aus den handgezeichneten Bauplänen eines gewissen «Jüs Segger» sein: Ein Seggerling halt.
Christoph Wenger, SUI 361, Seggerling