Ansegeln 2026
Die Saison hat begonnen: 23 Boote, d.h. über 50% mehr als letztes Jahr, erschienen zum Ansegeln, und das trotz unsteten Wettervorhersagen und fast stündlich ändernden Windprognosen. Begrüsst wurden wir von unserer Präsidentin, die das Wort an die Regattaleitung weitergab: Erstmals wurde das Absegeln von den SCH-Juniorinnen und -Junioren geleitet. Als hätte sie das schon x-mal gemacht, informierte uns die Wettfahrtleiterin über Wind- und Wetteraussichten sowie das Startprozedere, forderte uns in Anbetracht des kalten Wassers auf, unsere Schwimmwesten zu tragen, und schickte uns auch gleich aufs Wasser.
Kaum waren alle Boote eingewassert, erinnerte uns Neptun daran, dass Segeln ein Wassersport ist: Er schickte uns eine kurze aber heftige Dusche, sogar einige Graupeln waren dabei! Bis zum Start war der Regenschauer aber vorbei und im Verlauf des weiteren Nachmittags liess uns nur mehr oder weniger nahes Donnergrollen hin und wieder besorgt in den Himmel schauen.
Leicht war es nicht, die ideale Linie zu finden. Einmal lief es links besser, dann rechts, einige Boote schienen jede einzelne Flaute zu finden, während es anderen ausgezeichnet lief. Im ersten Lauf war eher die linke Seite bevorzugt, während es rechts vor allem auf der Startkreuz immer wieder Flautenlöcher gab. Da aber fast alle immer mal wieder einen schönen «Strumen» Wind fanden, kamen alle innert nützlicher Frist über die Ziellinie: Angeführt von der Surprise SUI 502, folgten zwei der Staren (SUI 8511 und SUI 8122). An dieser Reihenfolge würde der Yardstick aber noch einiges ändern: tatsächlich schoben sich der Corsaire (SUI 511) und die Île Flottante (Fireball SUI 15146) noch vor die beiden Staren.
Dort wurde gleich nach dem letzten Boot die blaue Flagge gestrichen und AP gezogen. Schon bald war die Luvboje nach links versetzt und der nächste Start liess nicht lange auf sich warten. Bis zwei Minuten vor dem Start schien die Linie sehr ausgewogen, was viele Jollen dazu bewog, sich in der Nähe des Startschiffs bereit zu halten, um nachher bald von den Windturbulenzen der Yachten wegwenden zu können. Der Wind hatte aber andere Pläne und drehte noch weiter nach links – auf Backbordbug kam man nur noch schwer näher zur Linie. Man hätte meinen können, es sei ein Blackflagstart, so weit hingen beim Startsignal alle zurück! Im Verlauf des zweiten Laufs frischte der Wind je länger desto mehr auf, wurde böiger und drehender. In Mosen wurden Böenspitzen von bis zu 23 Knoten gemessen – das ging auch an uns nicht spurlos vorbei. Diverse Jollensegler, darunter auch sehr versierte, gingen unfreiwillig baden, bei den Yachten gab es vermehrt sanduhrförmige Spinnaker und das eine oder andere laute Wort.
Obwohl sie an entgegengesetzten Enden der Linie gestartet waren, hatten am Schluss die beiden Fireballs die Nase vorn – bis Hitchcock (SUI 15028) kurz vor dem Ziel kenterte und der Île Flottante (SUI 15146) den Laufsieg überliess. Als nächste gingen die Melges 24 (SUI 298) und dann, über eine Minute später, Star SUI 8511 über die Linie. Ob dieser grosse Vorsprung der Île Flottante, die schon im ersten Lauf gut abgeschnitten hatte, ihr mit dem Yardstick zum Sieg verhelfen würde?
Nun ging es zügig an Land, zum geselligen Teil mit Suppe, Wienerli und vielen Seglergesprächen – … warum hast du … ich hätte den Spi … wenn ich gewendet hätte … hast du gesehen … – halt die typischen Nach-Regatta-Gespräche. Das Yardstick-System machte das Rangverlesen dann nochmals spannend: niemand weiss ja so ganz genau, wie viele Punkte ihn sein Yardstick kostet oder nach vorne schwemmt. Als Sieger ging aber – wieder einmal – die Surprise SUI 502 vom Platz, dicht gefolgt von Fireball 15146 und Star SUI 8511.
Mianne Erne, RS Aero 6, SUI 1081